das habe ich heute bei Focus online gefunden.
Was sagt ihr dazu?
m. fr. Gr.
Harald
Judenverfolgung
„Die Deutschen haben es gewusst“
Viele verschlossen die Augen vor der Wahrheit
| 01.06.06, 17:43 Uhr |
Die Judenverfolgung durch die Nazis hat öffentlich stattgefunden und das Wissen darüber in der Bevölkerung war weit verbreitet.
Diese These formulierte der Historiker Peter Longerich bei der Diskussion seines im April erschienenen Buchs „Davon haben wir nichts gewusst! Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933 – 1945“ (Siedler-Verlag, München) am Mittwochabend am Hamburger Institut für Sozialforschung.
Konkrete Fakten streng geheim gehalten
„Allerdings hielt das Regime konkrete Fakten, etwa über die Vernichtungslager, streng geheim", sagte der deutsche Direktor des Research Centre for the Holocaust and 20th-Century History am Royal Holloway College der Universität London. So sei eine diffuse Atmosphäre entstanden, in der sich der einzelne Bürger oft aus Selbstschutz weigerte, die Informationen zusammenzufügen. Erst jetzt, nach mehr als 60 Jahren, sei eine differenzierte Aufarbeitung der Akzeptanz von Judenhatz und Holocaust in der Bevölkerung möglich, meinte der 59-Jährige.
Quellen erst heute verfügbar
Quellen wie die Protokolle der Propagandakonferenzen, die vollständigen Goebbels-Tagebücher sowie Lageberichte des Regimes lägen erst heute vor, sagte Longerich. Seine Analyse ergab, dass Goebbels die Medien anwies, die Berichte über Boykotte und Pogrome zurückzufahren, wenn das allgemeine Unbehagen über die Ereignisse zu groß wurde. „Die Zustimmung der Bevölkerung wurde schrittweise durchgesetzt. Es war kein grundsätzlicher Vernichtungs-Antisemitismus in der Bevölkerung vorhanden", meinte der Professor im Unterschied zu den Goldhagen-Thesen („Hitlers willige Vollstrecker", 1996).
„Kollektive Abwehrhaltung“
Zu starker Gerüchtebildung habe ab 1942 die „Endlösung“ geführt: Viele Menschen hätten „mit kollektiver Abwehrhaltung“ auf durchsickernde Informationen über Erschießungen und Vernichtungslager reagiert, sagte Longerich. Durch „ostentative Ahnungslosigkeit“ hätten sie versucht, sich der moralischen Verantwortung zu entziehen.
(jk/dpa)