Zentralrat uneins über Schulfach zu NS-Zeit
Im Zentralrat der Juden ist ein Streit darüber entbrannt, ob es sinnvoll ist, ein eigenes Schulfach «Nationalsozialismus» einzuführen. Eine entsprechende Forderung hatte die Zentralratspräsidentin Knobloch in der Netzeitung erhoben.

Charlotte Knobloch
In der Führung des Zentralrats der Juden in Deutschland wird offen über ein mögliches Schulfach «Nationalsozialismus» gestritten. Die Forderung, das Thema aus dem regulären Geschichtsunterricht auszugliedern war von der Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch erhoben worden.
In der Netzeitung hatte sie sich für die Einführung eines solches Unterrichtsfaches mit der Begründung ausgesprochen, dass vor allem in Ostdeutschland in vielen Schulen das Thema «viel zu kurz» komme.
Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, relativierte nun die Äußerungen Knoblochs. Ihre Forderung sei nie Bestandteil eines Konzepts des Zentralrats gewesen, zitierte die Chemnitzer «Freien Presse» Kramer. Es gehe nicht darum, ein einzelnes Fach zum Thema NS-Zeit einzurichten, sondern insgesamt das Wissen darüber zu verbessern. Dazu müsse an den Schulen fächerübergreifend über die Nazi-Ideologie unterrichtet werden.
Das reiche von der Rassenlehre in Biologie bis hin zum Zusammenhang von Rüstungsindustrie und Naturwissenschaften sowie der Nutzung von Kunst und Literatur. «Wir haben festgestellt, dass die Jugendlichen zu wenig wissen, was zwischen 1933 und 1945 geschehen ist», erläuterte Kramer.
Knobloch vertrat dagegen in der Netzeitung die Auffassung, in einem extra Fach Nationalsozialismus könne man beispielsweise «auf das Wissen von Zeitzeugen zurückgreifen und auf die Möglichkeiten, die die vielen Gedenkstätten bieten». Gerade für junge Menschen seien die Leute, die den Holocaust erlebt hätten, wichtig, sagte sie. Sie könnten Jugendlichen Fragen beantworten, die nicht in Lehrbüchern stünden.
Viele begriffen dann, dass die Judenvernichtung «ein einmaliger Völkermord in der Geschichte war». Knobloch stellte dabei in den Vordergrund, dass eine «richtige» Vermittlung des Holocaust «um Gottes Willen den jungen Menschen kein Schuldgefühl aufladen» dürfe. (nz)
NZ