8. Mai 2007
Heute jährt sich unsere "Befreieung" zum 62sten Mal. Damit war der zweite Weltkrieg in Europa offiziell zu Ende. Ab da sind nur noch Deutsche gestorben. In russischer Zwangsarbeit ebenso wie in den amerikanischen Rheinwiesenlagern, bei den Franzosen wie bei den Briten. Sogar die Dänen haben deutsche Gefangene völkerrechtswidrig dazu gezwungen, Minenfelder auszugraben. Die Sieger haben weiterhin geplündert und vergewaltigt. Und in Polen und Tschechien begann die Vertreibung.
Ja, es ist 62 Jahre her. Bin ich ein unversöhnlicher ewig Gestriger? Da kann ich nur antworten: welche Versöhnung? Steht in Washington ein Denkmal für die Opfer von Eisenhowers verbrecherischen Rheinwiesenlagern? Oder in Moskau eines für die deutschen Opfer in Stalins Vernichtungslagern? Haben sich Polen und Tschechen, die wir ins "gemeinsame Haus Europa" aufgenommen haben, auch nur einmal entschuldigt?
Deutsche Politiker kriechen vor den Opfern des Holocausts derart zu Kreuze, als wäre das erst gestern geschehen. Wider das Vergessen - das bekommen wir ständig zu hören. Und dann sollen WIR vergessen? Kein Verbrechen der Welt rechtfertigt es, selbst Verbrechen zu verüben. Selbst wenn Dokumödien-Knopp in seiner permanenten Deutschen-Schelte noch untertreibt, rechtfertigt das nicht den Tod eines einzigen Kindes im Bombenkrieg oder bei der Vertreibung. Es rechtfertigt nicht den Tod eines einzigen deutschen Kriegsgefangenen, nicht einmal dann, wenn dieser tatsächlich ein Kriegsverbrecher gewesen war.
Wir verneigen uns vor den Opfern anderer Völker, während wir unsere eigenen Opfer in den Staub der Vergessenheit treten wollen. Wurden wir befreit? Von Ehre und Selbstachtung auf jeden Fall, vom guten Namen der deutschen Kultur, von zahlreichen Jahrhunderten deutscher Geschichte, die im Auftrag der Sieger auf gerade einmal zwölf Jahre eingedampft wurde.
Dies ist einer der seltenen Fälle, in denen das Englische über bessere Worte verfügt als das sonst weitaus ausdrucksstärkere Deutsche. Die "Freiheit", die uns 1945 gebracht wurde, ist "freedom", die "Freiheit von etwas". Oh, wir dürfen weltweit reisen, wir dürfen für die Sieger arbeiten und ihnen Tribute zahlen. So frei sind wir bestimmt. Wir dürfen mittlerweile sogar Hilfstruppen für Kolonialkriege stellen.
Was uns hingegen verweigert wurde, ist "liberty", die "Freiheit zu etwas". Uns wurden Denkverbote auferlegt, die "reeducation" hat uns einer Gehirnwäsche unterzogen, unsere Eltern und Großeltern werden nicht etwa verehrt, sondern permanent als Weltverbrecher dargestellt. Unsere eigenen Opfer zu betrauern wird als rückständig, revisionistisch und rechtsradikal bezeichnet.
Das Besatzungsrecht der "Befreier" wurde nie außer Kraft gesetzt, unser Land hat keinen Friedensvertrag und es ist nicht wirklich souverän. Wir besitzen keine vom Volk in freier Abstimmung eingesetzte Verfassung und werden von einer gleichgeschalteten Medienlandschaft beharkt, die einstmals von den Siegern lizensiert worden ist. Abweichende Meinungen werden totgeschwiegen und bekämpft.
1945 hat übrigens niemand von "Befreiung" gesprochen; Deutschland wurde besiegt, besetzt und unterworfen. Die deutsche Führung wurde in Nürnberg gehenkt, an ihre Stelle traten die von den Siegern ausgewählten Marionetten. "Freedom" gab es erst, als man die Deutschen im kalten Krieg als Kanonenfutter gebraucht hat. Auf "liberty" warten wir noch heute, allem Geschwafel unserer Politiker zum Trotz.
Was also sollen wir an einem Tag wie diesem feiern? Oh, nicht lärmend feiern, in Form eines wilden Besäufnisses, das mögen die Sieger tun. Wir sollten einen stillen Tag der Trauer begehen, für jene Opfer, über die sich das offizielle Deutschland schämt. Für unsere Väter und Großväter, für alle jene Deutschen, die ohne eigene Schuld durch Krieg und Vertreibung gelitten haben oder gar ums Leben gekommen sind.
Ich werde wieder meine bewährte Kerze anzünden, für alle Opfer, für die offiziellen und die schamhaft verschwiegenen. Und zugleich als Ausdruck der Hoffnung, doch noch jene Freiheit zu erlangen, die uns in den letzten 62 Jahren versagt geblieben ist.
http://www.michaelwinkler.de/Kommentar.html
fge