Wolfgang Thierse gibt Stiftungsvorsitz ab

Von Katrin Schoelkopf und Sabine Gundlach
Die Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Lea Rosh, unterstützt die Forderungen des Vorstandsvorsitzenden der Mahnmal-Stiftung und Bundestagsvizepräsidenten, Wolfgang Thierse (SPD), nach finanzieller Aufstockung für das Mahnmal "voll und ganz". "Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas hat seit seiner Eröffnung unerwarteten Zuspruch von Besuchern erhalten. Es wird sehr viel mehr angenommen, als man dachte. Das ist wunderbar, erfordert für diese nationale Aufgabe aber auch mehr Geld", sagte Rosh der Morgenpost. Vor Eröffnung des Mahnmals hatte die Stiftung mit 300 000 Besuchern allein im Ort der Information gerechnet. Nach einem Jahr waren es aber bereits 537 000 Besucher. Das Stelenfeld durchwanderten 3,5 Millionen Menschen. "Angesichts dieses Zustroms brauchen wir mehr Geld für Personal, Führungen und Reparaturen", so Rosh.
Kuratorium berät am Mittwoch
Thierse hatte wegen der Unterfinanzierung seinen Rücktritt vom Vorstandsvorsitz angekündigt und eine Aufstockung des vom Bund finanzierten Jahresetats von 2,1 auf 2,7 Millionen Euro gefordert. Auch Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linkspartei.PDS), wie Lea Rosh Kuratoriumsmitglied der Mahnmalstiftung, unterstützt diese Forderungen. "Das Mahnmal braucht mehr Geld, zumal es noch letzte Zeitzeugen gibt, deren Geschichte die Stiftung pädagogisch aufarbeiten muß", sagte Pau. Der Leiter des Referates Gedenkstätten in der Senatsverwaltung für Kultur, Rainer E. Klemke, betonte, daß es wichtig sei, das Holocaust-Mahnmal in ein Gesamtkonzept der Gedenkstätten einzubinden. Angesichts des auch im Berlin-Tourismus wachsenden Interesses an dieser Thematik müsse man endlich ein Konzept entwickeln, daß die verschiedenen Orte verbinde. Thierses Rücktritt sei sehr bedauerlich, weil er einer der Motoren des Denkmals sei.
Das Kuratorium unter Vorsitz von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) widmet sich in der ersten Sitzung dieser Legislaturperiode am Mittwoch der Finanzierungsfrage. Mit seinem Rücktritt, heißt es im "Tagesspiegel", wolle Thierse Lammert drängen, neben dem Kuratoriums- auch den Vorstandsvorsitz zu übernehmen, um diesen mit dem politischen Gewicht des Amtes zu versehen.
Aus der 2006 Berliner Morgenpost vom 26. Juni